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Wissensbasis/Grundwasser
Grundwasserhochstand im Frühjahr 2001


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Die Grundwasserstände haben im Frühjahr 2001 in weiten Teilen des Hessischen Rieds den höchsten Stand seit 30 Jahren erreicht. Der unerwartet schnelle und massive Anstieg hat zu großflächigen Vernässungen (s. Bilder) in den Niederungsgebieten der Altneckar- und Altrheinlachen geführt. Die Flurabstandspläne aus der Umgebung von Dornheim, Gernsheim/Jägersburger Wald bzw. dem zentralen Ried zeigen die aus dem digitalen Geländemodell abgeleiteten offenen Wasserflächen in dunkelblau. Kontrollen haben eine hohe Übereinstimmung mit den Wasserflächen vor Ort ergeben, auch wenn im Einzelfall lokale Abweichungen existierten.

Mit Hilfe einer Satellitenbildauswertung vom 01. April 2001 konnte die Verbreitung der Vernässungsflächen im Hessichen Ried und der Hessischen Untermainebene detailliert erfasst werden. Die detaillierten Ergebnisse dieser Studie sind hier abrufbar.

Massiv betroffen sind vor allem viele Hausbesitzer, deren Keller feucht oder vernässt waren bzw. noch sind. Zu den direkten Vernässungsschäden am Inventar kommen Schimmelpilze, aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk, daraus folgende Gebäudeschäden sowie die gesundheitlichen Gefährdungen hinzu. In mehreren Orten wurden Bürgerinitiativen gegründet.

Den genannten Schäden und Belastungen stehen positive Effekte unter dem Blickwinkel des Naturschutzes gegenüber. Insbesondere in den vor 1970 noch nassen Altneckarlachen konnten sich feuchteliebende Arten wie z.B. das Schilf, die Sumpfsegge und die zugehörigen Biotoptypen wieder ausbreiten. Offene Wasserflächen wie z.B. westlich des Pfungstädter Moores (s. Bilder) wurden direkt von zahlreichen Vogelarten als Rast- und Brutraum angenommen.

Was hat den starken Grundwasseranstieg ausgelöst? Als Hauptursache sind eindeutig die hohen Niederschläge im Winter und Frühjahr 2000/2001 zu nennen, die aufgrund des gesättigten Bodenspeichers weitgehend in das Grundwasser übergingen, d.h. zur Grundwasserneubildung beitrugen. So war die Grundwasserneubildung an der Lysimeterstation Jägersburg, bei der das nach unten absickernde Wasser gemessen wird, in mehreren Monaten sogar höher als der Niederschlag, d.h. der Niederschlag der Vormonate wurde verzögert, jedoch fast vollständig an den Untergrund abgegeben. Der ebenfalls außergewöhnlich starke Grundwasseranstieg der beiden vorangegangenen Winter bildete die Ausgangsbasis für das Schadensausmaß des aktuellen Anstiegs. Besonders deutlich wird dies bei der Analyse aktueller Ganglinien.

Lokal haben weitere Ursachen zum Grundwasseranstieg bzw. den hierdurch ausgelösten Schäden beigetragen. Eine genaue Bewertung ihrer jeweiligen Wirkung kann nur für konkrete Untersuchungsgebiete erfolgen. Grundsätzlich kommen folgende Faktoren in Betracht:

  • verstärkte Infiltration der vom Odenwald zuströmenden Oberflächengewässer in das Grundwasser des Rieds (z.B. Weschnitz)
  • Rückbau und Verfall der lokalen Entwässerungsgräben
  • Bau von Gebäuden und Anlagen in grundwassergefährdeten Lagen (z.B. Altneckarlachen) ohne fachgerechte Abdichtung
  • Reduzierung der öffentlichen und industriellen Grundwasserförderung
  • Infiltration von aufbereitetem Rheinwasser durch den Wasserverband Hessisches Ried (WHR)
  • Sackungen der (ehemaligen) Moorböden in den Altneckar- und Altrheinschlingen. Die Absenkung der Geländeoberfläche beträgt schätzungsweise 0,3-0,8 m; entsprechend früher werden die Flächen überflutet.


Wie langjährige Messreihen an Grundwassermessstellen zeigen, ist die Situation nicht grundsätzlich neu. Schon 1983, teilweise auch 1988, wurden vergleichbare Grundwasserstände mit offenen Wasserflächen und Kellervernässungen erreicht. Im Frühjahr 2001 wurden die damaligen Wasserstände jedoch vielerorts noch überschritten, so z.B. an den rechts stehenden Landesmessstellen.

Die Ganglinien zeigen auch, dass etwa bis 1969, d.h. vor dem Bau der großen neuen Wasserwerke im Hessischen Ried und dem Beginn der Trockenperiode der 70er Jahre, sehr hohe Grundwasserstände und entsprechend geringe Flurabstände ein charakteristisches Merkmal des Hessischen Rieds waren.

Die weitere klimatisch bedingte Entwicklung der Grundwasserstände kann nicht prognostiziert werden. Aufgrund des hohen Ausgangsniveaus ist die Gefahr für erneute Vernässungen im Winter 2001/2002 jedoch relativ hoch.

Eine abschließende Bewertung der Ursachen und langfristigen Wirkungen des aktuellen Grundwasserhochstandes steht noch aus. Bereits jetzt zeichnet sich jedoch ab:

  • Ein vollständiger Schutz gegen klimatisch bedingte Grundwasserhochstände wird auch bei Anwendung aller Steuerungsmöglichkeiten nicht möglich sein.
  • Durch eine Reaktivierung der alten Grabensysteme kann lokal die Höhe und die Dauer des Grundwasserhochstandes abgemildert werden.
  • Die Förderverringerungen bei Brauch- und Trinkwasser werden langfristig zu einem Anstieg der mittleren Grundwasserstände beitragen.
  • Ein dauerhafter Schutz besonders gefährdeter Siedlungsbereiche kann nur durch technische Maßnahmen (z.B. Abdichtungen, Entwässerungssysteme) erreicht werden.
  • Die Richt- und Grenzgrundwasserstände des Grundwasserbewirtschaftungsplanes Hessisches Ried (GWBWPL) können anhand des realen Grundwasserhochstandes und der davon ausgelösten Schäden überprüft und bei Bedarf korrigiert werden. Oftmals kam es schon bei Erreichen des Richtwertes zu Kellervernässungen und offenen Wasserflächen. In anderen Teilen des Riedes wurden sogar die Oberen Grenzgrundwasserstände überschritten.
  • Der Siedlungsbau und die landwirtschaftliche Nutzung sollten stärker an der natürlichen Schwankungsamplitude des Grundwassers ausgerichtet werden.
  • Die Infiltration von aufbereitetem Rheinwasser ist auch in Zukunft zur Vermeidung von Setzrissschäden in Trockenperioden und zur Stützung des Landschaftswasserhaushaltes notwendig. Es ist u.a. ein Ziel von Grundwasser-Online, die Grundlagen für die Steuerung der Infiltration darzustellen und zu verdeutlichen.





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Offene (Grund-) Wasserflächen bei Pfungstadt
(April 2001)

Studie: Vernässungsflächen im Satellitenbild
Karten der Flurabstände April 2001
Ganglinien ausgewählter Landesmessstellen

Bilder-Gallery der offenen Wasserflächen
(April 2001)

© Regierungspräsidium Darmstadt 2001


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Veröffentlicht am: 2003-02-04 (10304 mal gelesen)

 

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